Klare Angelegenheit auf schwerem Geläuf


Bericht: Dennis König

Es fällt schwer, wenn man über das Spiel der Spielgemeinschaft Kalten Rhön in Jüchsen berichtet, von regulären Bedingungen zu sprechen, denn die waren bei diesen Platzverhältnissen und dem Dauerregen nicht gegeben.

Eines vorweg: Es fällt schwer, wenn man über das Spiel der Spielgemeinschaft Kalten Rhön in Jüchsen berichtet, von regulären Bedingungen zu sprechen, denn die waren bei diesen Platzverhältnissen und dem Dauerregen nicht gegeben. Am Ende muss man froh sein, dass alle eingesetzten Akteure so besonnen waren und ihre Spielweise den Verhältnissen anpassten. Auch das umsichtige Schiedsrichtergespann trug seinen Teil dazu bei.

Das Spiel nahm direkt nach Anpfiff an Fahrt auf. Die Spielgemeinschaft aus der Rhön wollte sofort für klare Verhältnisse sorgen. Bereits nach zwei Minuten war es Kevin Kranz, der eine Flanke von Enrico Heim knapp rechts am kurzen Pfosten vorbei köpfte. Fünf Minuten später eine ähnliche Situation, wiederum kam Kranz mit dem Kopf an den Ball verfehlte das Tor aber. In der neunten Spielminute dann eine kuriose Situation. Philipp Panzner erlief einen langen Ball, umkurvte Gästetorwart Taube und brach unverständlicherweise den Angriff ab, weil er glaubte, einen Pfiff gehört zu haben. Sein Mitspieler Lorenz Hom machte es eine Minute später besser. Er nutzte einen Fehler in der Hintermannschaft der Gäste aus und schoss Jüchsen 1:0 in Führung. Auf der Gegenseite schoss Robert Greifzu einen Freistoß an den Querbalken, Torhüter Lucas Breitung wäre vermutlich machtlos gewesen. Aber die Gäste wirkten jetzt wacher und erspielten sich mehr und mehr Chancen. Folgerichtig fiel in der 19. Minute das 1:1 durch Kevin Kranz, der nach einer Ecke den Ball vor die Füße bekam und ungehindert einschießen konnte. Doch der Ausgleich währte nicht lange, denn bereits 4 Minuten später der nächste Schnitzer bei den Gästen. Eine harmlose Ecke wurde nur unzureichend geklärt. Der Ball kam irgendwie wieder in den Strafraum und Philipp Panzner netzte zur erneuten Führung der Gastgeber ein.

Doch das war es dann auch mit den Angriffsbemühungen der Hausherren in Halbzeit eins. Lediglich durch einen Konter (Andre Bussemer, 41.min) machte der Gastgeber noch einmal auf sich aufmerksam. Die Rhöner übernahmen die Kontrolle und drängten auf den Ausgleich. Zunächst war es Pascal Sauer, der in den Strafraum der Jüchsener eindringen konnte, aber aus nächster Nähe nur den Keeper anschoss. Für den Ausgleich sorgte dann ein Youngster. Enrico Heim nahm sich aus 18m ein Herz und schloss einen gut nach vorne getragenen Angriff mit einem Schuss ab. Mit letzter Kraft warf sich ein Jüchsener Verteidiger in den Schuss und fälschte ihn zu Jonas Reder ab, der letztendlich keine Mühe hatte den Ball im Tor unterzubringen. Und die Gäste setzten noch einen drauf. In der letzten Minute der ersten Hälfte tankte sich Alexander Marschall rechts bis zur Grundlinie durch, flankte und erreichte damit Torjäger Marcel König, der Keeper Breitung keine Chance lies und zum 3:2 vollstreckte. Von den Spielanteilen her ging die knappe Führung der Greifzu/König – Schützlinge in Ordnung.

Die zweite Halbzeit begann genauso furios wie die erste. Bereits eine Minute nach Wiederanpfiff versuchte sich Robert Greifzu erneut bei einem ruhenden Ball. Seinen gut geschossenen Aufsetzer konnte der Torhüter der Gastgeber nur nach vorne vor die Füße von Pascal Sauer abklatschen lassen. Was danach passierte, bezeichnet man gemeinhin als Klassiker. Der Angreifer der SG Kalten Rhön kam beim Schussversuch aufs leere Tor in Rücklage und hebelte den Ball aus 5m Entfernung über das Tor. Doch die Richtung des Spiels war damit vorgegeben. Denn die Rhöner spielten jetzt wie aus einem Guss. Zwei Minuten später setzte sich Marcel König im Strafraum in Szene und köpfte einen langen Ball rechts an den Pfosten. Noch einmal drei Minuten später jubelten die Gäste über das 4:2. Pascal Sauer, der ein starkes Spiel machte, drang von rechts in den Strafraum ein und bediente mustergültig Enrico Heim am Fünfer. Dieser ließ dem Torhüter keinerlei Abwehrchance. Die Jüchsener kamen jetzt nur noch sporadisch zu Chancen, die allesamt zu ungenau am Kasten der Gäste vorbei gingen. Stellvertretend eine Chance aus der 52. Minute, als der eingewechselte Patrick Jacob den Ball rechts neben das Gehäuse von Florian Taube schoss. Bereits zwei Minuten später die Entscheidung. Enrico Heim erlief am Sechzehner der Grabfelder einen Ball und konnte nur noch regelwidrig vom Ball getrennt werden. Freistoß-Spezialist Robert Greifzu ließ sich diese Möglichkeit nicht nehmen und schlenzte den Ball unhaltbar über die Mauer in die Maschen des Tores zum 5:2.

Die Rhöner nahmen danach das Tempo aus dem Spiel und verwalteten das Ergebnis. Angemerkt sei, dass der Platz mittlerweile ein „normales“ Spiel nicht mehr zuließ. Pfützen und Matsch behinderten jeglichen vernünftigen Spielaufbau. Die Akteure auf beiden Seiten hatten größten Mühen den Ball zum Nebenmann zu spielen. Viele Verlegenheitsbälle waren die Folge. Es war auch die Zeit der Wechsel. Beide Mannschaften versuchten mit neuen Akteuren nochmal frischen Wind ins Spiel zu bringen. Auf Seiten der Gäste klappte das ganz gut. Der eingewechselte Danny Reuchsel konnte in der 67. Spielminute das Ergebnis auf 6:2 ausbauen. Enrico Heim setzte sich rechts am Strafraum durch, passte den Ball auf Marcel König, der aber beim Abschluss scheiterte, der abgewehrte Ball landete bei Danny Reuchsel, der ihn ohne Mühe im Tor unterbrachte. Damit war das Spiel endgültig entschieden und zeigte in den verbleibenden 23 Minuten nur noch wenige Höhepunkte. In der 87. Minute dann leider noch eine unschöne Situation. Andre Bussemer auf Seiten der Gastgeber wurde lang in den Strafraum der Gäste geschickt, verlor aber das Laufduell mit Robert Greifzu. Der Kapitän der SG Kalten Rhön grätschte den Ball mit seinem linken Fuß ins Toraus, traf nach dem sauberen Tackling den Jüchsener Stürmer und musste zum Entsetzen der Gäste danach feststellen, dass es dafür Elfmeter geben sollte. Mittelfeldmotor Marcus Wezel regte sich darüber so sehr auf, dass Schiedsrichter May-Nowak ihn mit gelb/rot des Feldes verwies. Eine Szene, die sicherlich bei allen Beteiligten danach für großen Unmut sorgte. War das Spiel bis dahin doch weder unfair noch ruppig. Der „Gefoulte“ verwandelte den Elfmeter zum 6:3 Endstand selber.

Eigentlich schade, dass nach dem Spiel die zuletzt dargestellte Szene für mehr Gesprächsstoff sorgte als das eigentliche Spiel oder der Zustand des Platzes. Der 6:3 Sieg der Gäste aus der Rhön war hochverdient. Gerade in der zweiten Halbzeit waren sie die clevere und auch agilere Mannschaft, die mit ihren herausgespielten Chancen sogar noch mehr Tore hätte erzielen können. Den Hut muss man, neben den 25 Akteuren auf dem Spielfeld auch vor den Zuschauern ziehen, die 90 Minuten im Dauerregen ausharrten, ein Umstand, der in der heutigen Zeit nicht immer selbstverständlich ist.